…wenn die große Liebe geht

Als wir Dich vor fast genau 12 Jahren das erste Mal sahen, wir wussten weder was uns erwartet und schon gar nicht, was sich entwickeln würde. Der erste Blick in den Zwinger öffnete einen Blick auf einen selbstwussten kleinen Rüden, in mitten einer Schar von kleinen und wuseligen Ladys. Scheinbar uninteressiert an seiner Umgebung blitzten die kleinen Äugelchen, als die Fressnäpfe hereingeschoben wurden. Die sechs Hundedamen bemerkten dies nicht und so kontrollierte der kleine Hundemann zunächst die Näpfe und suchte sich die Leckereien heraus.

Ich bin der Mittelpunkt der Welt

Ihr könnt mich alle mal 🙂

Selbstbewusst und zielorientiert, so wie er sein gesamtes Leben gestaltete. Ja, er gestaltete es, nicht wir. OK, wir versuchten einzugreifen und eine Art der Erziehung umzusetzen, wirklich funktioniert hat es nicht. In der Hundeschule die schnelle Erkenntnis: Wenn ich etwas mache, dann muss Herrchen mir ein Leckerchen geben. Also das bedeutet: Sitz= Leckerchen, Platz= Leckerchen, bleib = Leckerchen usw. Reihenfolgen und Befehls(Zuruf) unabhängig. So begann sein Leben bei seinen Herrchen und so blieb es fast 12 wundervolle Jahre lang.

An diesem Tag änderte sich die Chefrolle in der Familie.

Wir änderten unser Leben, waren immer da, planten Urlaube (nur mit Hund), besuchten Restaurants (nur wenn der Hund erwünscht war) und gestalteten alle Lebensabschnitte ausschließlich im Sinne einer guten Gemeinschaft und im Wissen, das es dem Chef(Hund) gefiel.

Der gut erzogene Hund folgt seinem Herrchen, geht dieser an der Weggabelung nach rechts, dann folgt der Hund, denn er will ja seinen Herrn nicht verlieren. Bei unserem selbstbewussten Hund war dies stets anders. Ging der Hund nach links, dann folgte Herrchen, denn er will ja seinen Hund nicht verlieren. Die Auswahl seiner Mahlzeiten bestimmte der Hund, schmeckte es mal nicht, dann blieb es stehen, bis Frauchen die richtige Zusammensetzung für das Mahl gefunden hatte.

Übertriebene Hundeliebe, das mag sein, aber: Was hat der Hund seiner Familie gegeben? Uneingeschränkte Liebe zu Herrchen, Kindern und Enkelkindern. Nie ein Knurren, nie ein Angriff und keine Attacke gegenüber anderen Hunden. Liebe pur in allen Lebenslagen und bei jeder Gelegenheit. Nach wenigen Jahren stadtbekannt durch seinen Starrsinn und seine Freundlichkeit zu allen Menschen, Verewigt in Katalogen, Kalendern, Radio, Fernsehen und letztlich auch in Zeitungen und Büchern. Geduldig im Umgang mit Kindern, egal wie lange und wie intensiv sie ihn streicheln wollten.

 

Hundegeschichten

Zwei die sich verstehen(WDR-Fernsehen)

Ausdauernd bei Spaziergängen, ok das sollte man streichen, denn die wurden dann doch kürzer, aber ausdauernd in der Suche nach Fressbarem. Es gab kein Gebüsch das er nicht kannte, keine Futterstelle die er jemals vergaß. Menschen die ihm etwas gaben, vergaß er nie und erkannte sie nach Wochen und Monaten wieder.

Er war ein liebenswerter Kerl mit einem großen Herzen. Als ihn jetzt eine schwere bakterielle Krankheit erwischte, wir taten alles um seine Krankheit zu heilen. Nichts, aber auch wirklich nichts blieb unversucht. 8 Wochen lang ging es hoch und runter, positive und negative Zeichen, geprägt von unendlicher Geduld des Patienten. Immer wieder Hoffnung, Röntgenuntersuchungen, Ultraschall, Blutuntersuchungen, alles im Ausschlussverfahren. Immer wieder und immer wieder, mit dem Wunsch die Durchfälle und das Erbrechen zu stoppen. Zwischendurch immer einige Tage der Hoffnung, er freute sich über Besuche, seine Lieblingsnachbarn wurden mit Gebell begrüßt, seine geliebten Freunde (Enkel) enthusiastisch begrüßt und beschmust.

Die letzte Chance dann, ein absetzen (fast) aller Medikamente und eine Verhinderung von Wechselwirkungen. Nichts hat letztlich geholfen. Für uns galt immer die Devise: Wir sind verantwortlich und haben dafür zu sorgen das es dem Tier gut geht. Ein ehrenwerter Ansatz, aber die Umsetzung übersteigt das emotionale Fassungsvermögen. Wir helfen Dir ist leicht gesagt.

Der letzte Tag in der Nachbetrachtung: Nachbarn, Kinder und Familie verabschiedeten sich, schmusten, kuschelten, umarmten und streichelten. Der Hund genoss es sichtlich, er stand immer im Mittelpunkt und auch an diesem Tag war es nicht anders. Auch den Weg zum Tierarzt genoss er, er war oft hier und jedes Mal wurde ihm dort geholfen. Ob es der Splitter in der Pfote war, das entzündete Ohr oder die Durchfallerkrankung, jedes Mal kam er erlöst von Schmerzen von dort zurück. Hinein immer mit Freude. Auch an diesem Tag. Wir mussten warten, der Hund entspannte sich und schlief ein, wurde wach und musste Pipi. Entleert und wieder zurück um weiter zu schlafen. Die letzte Entscheidung war gefallen, es gab kein Zurück. Er schlief während der Narkosespritze weiter, wurde wach, setzte sich hin und legte den Kopf in Herrchens Schoß. Er schloss die Augen, entspannte sich erneut und entspannte sich. Er blieb dort, auch als die erlösende Spritze gesetzt wurde und die erlösende Substanz sich den Weg durch seine Venen bahnte. Er blieb dort bis zuletzt und bis zu seinem letzten Atemzug.

Sein Geist und seine Seele haben den massiven Körper längst verlassen, sind auf einer Reise zum anderen Ende des Regenbogens, dorthin wo alle anderen Hundeseelen eine Heimat gefunden haben. Dort, in einer anderen Galaxie, wird er warten bis seine Herrchen zu ihm kommen, bis weitere seiner Hundefreunde mit ihm über unendliche Wiesen tollen. Eine schöne Vorstellung, aber was bleibt den Menschen. Das Wissen alles richtig gemacht zu haben, IHN erlöst zu haben und Qualen verhindert zu haben? Ja, alles das ist richtig und so soll es sein, denn der Mensch kann denken und sein Freund braucht seine Unterstützung.

Die erste Nacht war grausam, es ist still, viel zu still!  Wir schrecken hoch, warten auf seine Bewegungen, seinen Atem und seinen Wunsch nach draußen zu gehen. Zuletzt dreimal, viermal die Nacht, aber das war egal, er war der Chef, er brauchte uns, deshalb machten wir es gerne.

Jetzt ist er nicht mehr da, wir irren durch die Wohnung, suchen den Hund, gehen von Schlafplatz zu Schlafplatz, weinen und erinnern uns. Ja, wir werden noch eine ganze Weile um ihn trauern. Er war unser Hund, ein Lebenspartner und ein Familienmitglied. Auf vier Beinen zwar, aber er war der Chef. Bis zuletzt und wir wünschen ihm eine gute Reise und wir wissen das wir alles richtig gemacht haben, aber: Es ist so unglaublich schwer und jetzt verstehe ich auch Menschen die nicht loslassen wollen oder können. Die versuchen den Tod zu verzögern und (etwas) egoistisch zu sein. Die Leere und die Stille sind so unglaublich laut und präsent!

Wir hoffen das sich das schnell ändert !

Gute Reise King – Kimmi  – Du warst der tollste Hund der Welt

Nur wer selbst verliert kann ermessen wie tief der Schmerz geht

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