Tattoos – früher und heute

„Welle- Rhein-Erft“ – Interview mit dem Inhaber des EygenArt aus Bergheim Thorr

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Die Freibad-Saison hat bereits begonnen und so zieht es bereits die ersten Sonnenhungrigen in die freie Natur und in die Freibäder. Nach dem Abbau der Winterspeck-Pölsterchen und dem leichten anbräunen auf der Sonnenbank wird jetzt auch der sonst versteckte Körperschmuck wieder sichtbar.

Bestimmte in der Zeit von 1990 bis 2010 das sogenannte „Arschgeweih“(umgangssprachlich), eine längliche, meist symmetrische Tätowierung auf dem unteren Rücken einer Frau, den Begriff eines Tattoos, so gilt es heute als Modeschmuck und präsentiert sich so facettenreich wie das Leben selbst. Heute gehört das Tattoo zu unserem Leben und man findet die kunstvollsten und phantasiereichsten Ausprägungen.

Die Geschichte des Tätowierens hat auch in unseren europäischen Breitengraden eine lange Tradition und schon vor über 5000 Jahren trug selbst die Gletschermumie Ötzi,, gestochene Zeichen in seiner Haut. So stand die aus dem keltischen stammende Tätowierkunst der Pikten für das barbarische, das Primitive und das Wilde.

Handpoked

Danach folgten Seeleute, Soldaten, fahrende Händler und es prägte sich der Begriff des Abenteurers ein. Nach der Industrialisierung verbreitete es sich auch bei Arbeitern und rutschte im späten 19.ten Jahrhundert in den Bereich der Kriminalität. Menschen von geringem Status, Ausgestoßene und Verbrecher wurden mit Tattoos in Verbindung gebracht. Bis heute denken noch Menschen häufig an diesen Zusammenhang.

Tattoos boten aber auch die Möglichkeit zu rebellieren und zu zeigen dass man anders ist. Inzwischen ist der Begriff des Tattoos positiv besetzt und erfreut sich heute einer Renaissance.

Nach alter Tradition

Wir sprachen mit Ike ( Eric ) Breker(genannt Ceffe), dem Inhaber des Tätowierstudios Eygenart in Bergheim Thorr, über dieses Thema.

Ike, wir wissen das die meisten Tattoo-Studios heute elektrische Tätowiermaschinen benutzen um mit verschiedenen Nadelgruppen, die Farbe in die entsprechende Hauttiefe zu geben. Du bist einer der wenigen, der auch die ursprüngliche Kunst des „Handpokens“, also die handgestochenen Tattoos ohne Strom beherrscht. Was passiert dabei / was ist das?

Ich nenne es gerne „traditionell“ gestochen. Immer mehr Menschen interessieren sich für die handgestochenen Tattoos. Man muss darauf achten das der Tätowierer sein Handwerk versteht, diese Art des Tätowierens ist für mich eher spirituell und die Motive sehen auf ihre besondere Art „anders“ aus. Und auch hier musst du sehr sauber arbeiten und man braucht viel Erfahrung für diese Technik. Generell heißt es, das die Schmerzen beim handgestochenen Tattoo geringer sind, klar ist aber in jedem Fall das die Haut  geschont wird. Das sonst übliche Gefühl des Brennens gibt es praktisch nicht und so ist auch der anschließende Pflegeaufwand geringer.

Mehr und mehr Menschen steigen auf das handgestochene Tattoo um, der Cheffe erklärt das so:

Ich erstelle die traditionellen Motive und Heilungssymbole von Hand und lasse auch spirituelle Kräfte einfließen, dadurch dauern diese handgestochenen Tattoos etwas länger.

Ich denke dass unsere Kunden diese Technik deshalb als wertiger und persönlicher empfinden. Es handelt sich in jedem Fall um ein echtes Kunstwerk. Die Vorbereitung der Tätowierung ist übrigens ähnlich dem elektrischen: Die Körperstelle wird rasiert, desinfiziert und getrocknet, danach erfolgt eine Vorzeichnung, entweder per Hand, durch Abpausen oder durch Orientierungspunkte.

Grundvoraussetzungen für ein Tattoo im EygenArt beschreibt Ike Breker wie folgt:

Mindestalter 18 Jahre und der/die Betroffene sollte sich gut überlegen:

ES IST FÜR IMMER!

Denn Partnernamen, Modetrends oder weil der Freund eines hat, sollte man es nicht machen. In jedem Fall wird bei uns ein persönliches Beratungsgespräch geführt, ohne diesem läuft gar nichts. Den Versuch das Gespräch per Email oder über Facebook zu führen kann der Interessierte gleich vergessen. Die Frage: “Kann man das Tattoo später entfernen“ ist ein klassisches Ausschlusskriterium.

Aber keine Sorge, einfach mal ins Studio gehen und sich beraten lassen.

Auf die Frage: „Wie schmerzhaft ist das Tätowieren?“ antwortet der Cheffe:

Also mir tut’s nicht weh, aber Spaß beiseite: Es ist durchaus erträglich, vergleichbar wenn man sich an einem Stück Papier schneidet oder wie die Frauen es gerne definieren: Ist wie beim Epilieren. Nur nicht so intensiv.

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