ASMR – „Autonomous Sensory Meridian Response“ – vermittelt Gänsehaut!

Durch meine Vorträge und Lesungen komme ich immer wieder mit interessanten Menschen und deren Ideen in Kontakt. Dies hat nicht immer etwas mit meinem eigentlichen Thema „Alkoholismus“ zu tun, ist aber nicht minder spannend. Seit 2010 breitete sich in den USA ein Trend aus, der inzwischen auch auf dem deutschen (Video) Markt immer bekannter wird.

ASMR bezeichnet ein statisch-ähnliches oder kribbelndes Gefühl auf der Haut, das auf der Kopfhaut beginnt und sich am Nacken und der oberen Wirbelsäule entlang bewegt.

Dieses Kribbeln kann durch unterschiedlichste Dinge ausgelöst werden und die meist rund 40 minütigen Videos erobern derzeit den „Youtube-Markt“.

Besonders sanfte, flüsternde Stimmen, beruhigende Geräusche und das Bearbeiten von Gegenständen soll zur Entspannung, Entschleunigung und zur inneren Ruhe führen. Kopfkribbeln, Kopf-Orgasmus, Gehirnmassage und Sinnesmassage können Schlafstörungen und Panikattacken bekämpfen?

Was tun, wenn man selbst keine Ahnung hat, aber den Trend beschreiben möchte?

Man gibt einem Newcomer die Chance ASMR zu beschreiben.

Ich traf eine junge Frau, die inzwischen auf Youtube ihren eigenen Kanal betreibt. Unter dem Namen ASMR Eleanor produziert sie regelmäßig Videos liest Märchen auf eine völlig neue Art und hat inzwischen eine (noch) kleine Fangemeinde um sich versammelt.

Einfach mal anschauen und auf das Bild klicken

ASMR Eleanor beschreibt selbst:

Die letzten Monate und inzwischen sogar Jahre waren sehr turbulent und nicht gerade einfach für mich. Ende 2017 erreichten sie dann ihren traurigen Höhepunkt. Meine privaten Rückschläge wurden immer mehr und ließen mich irgendwann nachts einfach nicht mehr schlafen.

Es ging über fast zwei Monate so, dass ich jede Nacht nur noch maximal 3-4 Stunden  schlief. Ich fühlte mich morgens total abgeschlagen und ausgelaugt. Ich hörte auf zu essen und war irgendwann einfach nur noch dauermüde, aber konnte einfach keinen Schlaf finden.

Daraufhin versuchte ich es mit autogenem Training, was mir anfangs wirklich gut half zu entspannen und auch einzuschlafen. Meine Nächte waren wieder etwas länger geworden, allerdings war ich dafür jede Nacht mehrere Male wach und hatte einen sehr unruhigen Schlaf. Manchmal war ich mitten in der Nacht sogar hellwach und wälzte mich dann wieder für lange Zeit hin und her.

Diese Strapazen haben an meinem Körper ihre Spuren hinterlassen. Meine Haare brachen dicht am Kopf ab und fielen vermehrt aus, meine Freunde und Familie bemerkten, dass meine Haut bleich und fahl aussah und man mir meine innere Traurigkeit und Abgeschlagenheit einfach ansah. Bei meinem Hausarzt wurde dann wegen meiner Dauermüdigkeit ein großes Blutbild erstellt, das außerdem zum Vorschein brachte, dass ich diverse Mangelerscheinungen hatte, die neben dem persönlichen Stress und dem Schlafmangel zu meiner Dauermüdigkeit beitrugen.

Ich bekam Medikamente, zwang mich zu essen und machte jeden Abend autogenes Training, um überhaupt einschlafen zu können.

Doch nach einigen Monaten mit autogenem Training half es mir irgendwann nicht mehr und meine private Situation verschärfte sich erneut. Ich konnte mich einfach nicht mehr auf die beruhigenden Stimmen und sanften Klänge konzentrieren und fand keinen Schlaf.

Dann in den Sommerferien gab ich bei dem Nachhilfe-Institut, wo ich arbeite, einen Sommerferienkurs und brachte den Schülern bei, wie man richtig lernt.

Zum richtigen Lernen gehört unter anderem auch, dass man Pausen macht und entspannt, dass man auch mal abschalten kann, um sich zu regenerieren, das Gelernte zu festigen und neue Kraft zu tanken.

Ich stellte meinen Schülern autogenes Training vor und gab ihnen als Hausaufgabe auf, dass sie es zu Hause abends vor dem Schlafengehen einmal ausprobieren und wir wollten dann am nächsten Tag unsere Erfahrungen teilen.

Ein Schüler erzählte mir da von der Entspannungsmethode „ASMR“ und da ich davon noch nie etwas gehört hatte, machten wir den Deal, dass die Schüler sich Videos mit autogenem Training auf YouTube anschauen und ich würde mir Videos mit ASMR anschauen.

Gesagt, getan. Ich schaute mir ein paar Videos mit besonders hohen Klickzahlen an und konnte es nicht fassen – dort war eine Frau zu sehen, die mit einem Kosmetik-Pinsel über ihr Mikrofon strich und somit Geräusche produzierte und dies beruhigte mich wahnsinnig!

Ich sah mir noch weitere Videos von ihr an, in denen sie mit ihren Fingernägeln z.B. auf einem Korkuntersetzer tippelte oder mit anderen Gegenständen Geräusche erzeugte.

Diese Nacht konnte ich wunderbar schlafen!

In den darauffolgenden Tagen belas ich mich zu dem Thema, denn ASMR klang für mich erstmal wie eine Krankheit oder wie „Hokuspokus“ und ich hatte davon noch nie gehört.

Ich war erstaunt, denn das Internet ist voll davon! In Amerika wird ASMR schon seit Jahren bei Schlafstörungen oder sogar Depressionen angewandt. Für ASMR gibt es keine deutsche Übersetzung (im Englischen stehen die Buchstaben für „autonomous sensory meridian response“), aber es bedeutet so viel wie: Wenn ein Geräusch oder eine Berührung in deinem Körper ein Kribbeln auslöst, dann ist das ASMR. Das Kribbeln kann man als negativ empfinden, aber im Falle der ASMR-Videos möchte man natürlich positive Gefühle erzeugen! Ein einfaches Beispiel wäre, wenn der Frisör einem sanft die Haare kämmt. Viele Menschen empfinden das als angenehm.

Um mit den englischen Begriffen zu arbeiten: Man hat also einen „trigger“, der bei einem „tingles“ erzeugen soll.

Ich habe mir also nun Nacht für Nacht neue oder auch bereits bekannte Videos angesehen und konnte besser entspannen, zur Ruhe kommen und in den Schlaf finden!

Bevor ich diese Art der Videos kennengelernt hatte, war ich auf der Suche nach einem „neuen Hobby“, um mich von meinen privaten Problemen abzulenken und fing an zu häkeln. Doch leider, ich gebe es offen zu, war ich nicht ehrgeizig genug und mich verließ nach einigen Misserfolgen schnell die Lust.

Inzwischen selbst entspannt

Nachdem ich nun aber einige Zeit diese Videos verschlungen hatte, hatte ich sehr schnell die Lust bekommen, selbst solche Videos zu drehen!

Ich schaute mir nun die ASMR-Videos aus einer ganz anderen Perspektive an, versuchte herauszubekommen, welches Material ich für die Videos brauchte, schaute mir Tutorials an (zum Glück ist YouTube ja voll von hilfreichen Anleitungen) und kaufte mir von meinem Ersparten eine Kamera und ein Mikrofon.

Bis ich dann mein erstes Video überhaupt drehen konnte, vergingen allerdings noch mehrere Wochen. Ich musste mich erst einmal in die Technik einfuchsen, die Technik wollte nicht so, wie ich wollte und die Namensfindung stellte sich auch als recht schwierig dar. Denn ich wollte nicht mit meinem realen Namen Videos drehen und so erstellte ich eine Liste mit Namen, die mir gefielen und googelte, ob es den Namen dann schon gab und ungelogen: Über 50 Namen musste ich von meiner Liste schmeißen, weil es diese Namen im Zusammenhang mit ASMR schon gab! Unglaublich, wie viele Menschen sich schon an ASMR versucht haben.

Dadurch und weil meine Technik einfach nicht funktionieren wollte, war ich ganz schön geknickt, aber ich wollte es unbedingt und irgendwann drehte ich dann tatsächlich mein erstes ASMR-Video!

Inzwischen habe ich zehn Stück gedreht, mein Kopf ist voller neuer Ideen, nur die Zeit ist natürlich sehr knapp und so ein Video dreht sich auch nicht mal auf die Schnelle. Und wenn das Video dann fertig ist, muss es noch am PC aufbereitet werden (Ton, Schnitt usw.) und das Hochladen auf YouTube dauert dann auch gut und gerne mal die ganze Nacht …

Doch warum mache ich mir eigentlich die ganze Mühe?

Natürlich habe ich nach einem neuen Projekt gesucht, um mich von meinen eigenen  Problemen abzulenken, bzw. um eine sinnvolle Beschäftigung zu haben, aber ich mache diese Videos auch in der Hoffnung, anderen Menschen mit meinen Videos helfen zu können, genau so, wie sie mir auch schon geholfen haben!

Schon im Kindergarten wusste ich, dass ich eines Tages Lehrerin werden möchte. Damals war der Wunsch noch durch meinen Großvater gelenkt, der selber Lehrer war, aber ich habe schon immer gern mit Kindern zusammengearbeitet und im Laufe meiner Schulzeit wusste ich immer mehr, dass das der richtige Beruf für mich sein wird. Ich hatte selbst einige Probleme beim Lernen und traf oft auf Unverständnis bei meinen Lehrern oder mir fehlte Unterstützung, sodass ich mich deswegen dazu entschloss, Lehrerin an Haupt- und Realschulen/ Regionalschulen zu werden! Ich wollte anderen Schülern helfen und nicht so ein „gemeiner Lehrer“ werden, wie ich einige während meiner Schulzeit hatte.

Ich dachte mir, dass genau dort die Schüler sind, die eine verständnisvolle Lehrerin am meisten gebrauchen könnten. Eine Lehrerin, die ihnen nicht nur versucht, auf die Schnelle Wissen in ihren Kopf zu prügeln, sondern eine Lehrerin, die sich wirklich für sie und ihre Probleme Zeit nimmt, sie ernst nimmt und ihnen die Hand reicht, wenn die Schüler danach fragen.

Noch studiere ich und für viele mag dieser Wunsch sehr utopisch klingen, aber das ist mir egal. Ich arbeite seit ich 12 bin mit Kindern zusammen, erst als Babysitter und nun seit 7 Jahren schon als Nachhilfelehrerin und rede mit meinen Schülern auch über ihre privaten Probleme. Ich habe schon so vieles erlebt und gelernt und werde  diese optimistischen Ziele hoffentlich bis zum Ende meiner Karriere beibehalten. Meine Großtante, die ebenfalls Lehrerin war, sagte, dass das möglich ist. Es war bei ihr auch so.

Ich habe sogar noch zu einigen ehemaligen Schülern, die schon aus der Schule raus sind, Kontakt und ich freue mich immer, wenn sie mich an ihrem Leben teilhaben lassen.

Ich freue mich, wenn ich anderen Menschen helfen kann, egal in welcher Art und Weise und ich hoffe, dass ich mit meinen ASMR-Videos anderen Menschen auch eine Freude bereiten kann!

 

Sicher nicht eine Sache für „Jedermann“, aber ein Versuch etwas Neues und Anderes auszuprobieren. Auch Heise – Online beschreibt diesen neuen Trend sehr positiv: „ASMR-Videos sollen zur Therapie genutzt werden.

Englische Forscher vermuten, dass der „Gehirn-Orgasmus“ ASMR (Autonomous Sensory Meridian Response)“Depression und Schlafmangel therapieren könnte.

Mehr Infos auch  bei Wikipedia

Jetzt auch als Hörbuch erhältlich und natürlich auch als Buch

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