Das eine Glas…..

Ist es nicht immer nur das EINE Glas?

(Gastbeitrag)

Gedanken zum Suchtverhalten von der Psychologin und Entwicklerin der Suchthilfe App Rabea Arps

Folgende Szene findet in unterschiedlichen Variationen täglich statt:
Ein Paar ist nach einem Restaurantbesuch auf dem Heimweg. Arm in Arm schlendern sie in der lauen Sommerluft zu Fuß durch die Straßen. Plötzlich bleibt er stehen und deutet auf ein Bistro.
Er: Lass uns hier noch ein Glas Wein trinken.
Sie: Es ist schon ziemlich spät. Ich würde jetzt gern nach Hause gehen.
Er: Es ist erst elf Uhr. Komm schon. Wir haben so selten Zeit und gehen kaum noch aus.
Sie (zögernd): Nur ein Glas?
Er (im gereizten Tonfall): Was soll das jetzt wieder? Ich werde doch wohl mal ein Glas Wein trinken dürfen?
Sie (jetzt ebenfalls gereizt): Na toll, jetzt bin ich wieder der Spielverderber? Also gut, ein Glas und dann gehen wir wieder, okay?
Sie gehen rein, aber die Stimmung ist dahin. Er bestellt Rotwein. Sie nimmt eine Apfelschorle, woraufhin er die Augen verdreht. Als die Getränke an den Tisch gebracht werden und er zu seinem Glas greift, schaut sie ihn kurz an, und lässt den Blick dann über die anderen Gäste schweifen. Er hat ihren Blick jedoch bemerkt, verzieht den Mund und stellt das Glas wieder hin.
Er: Was ist denn?

Und da ist es wieder: das Thema, das immer wieder auftaucht und über das sie schon so oft gestritten haben. Sie hat den Eindruck, dass er zu regelmäßig zum Alkohol greift, um sich – wie er behauptet – zu entspannen. Und seine gelegentlichen Exzesse, die Abende, an denen er einfach nicht aufhört zu trinken, machen ihr schlichtweg Angst. Er hingegen ist der Meinung, dass sie völlig übertrieben reagiert. Er ist schließlich kein Alkoholiker und ihre Andeutungen empören ihn maßlos.
Und so sitzt sie also wieder mal da und ärgert sich. Vor allem über sich selbst. Denn sie hat genau diesen Verlauf kommen sehen, aber dennoch gehofft, dass der Abend anders ausgeht.
Wenn sie jetzt bleibt, wird es eine lange Nacht werden, denn dem einen Glas werden weitere folgen. Sie könnte natürlich auch einfach nach Hause gehen. In dem Fall würde er ziemlich betrunken kurz vor Morgengrauen auftauchen, voller Reue. Und sie lallend fragen, ob sie ihn liebt.

Zweifel, Angst und das Wissen, es wird immer schlimmer!

Immer deutlicher wird, dass sie sich grundsätzlich entscheiden muss, ob sie gehen oder bleiben soll. Vielleicht ist er (noch) kein Alkoholiker, sondern trinkt im missbräuchlichen Bereich. Das Thema vergiftet aber immer mehr die Beziehung und belastet sie zusehends. Wenn er diese Tatsache weiter ignoriert, stehen die Chancen schlecht, dass er sich professionelle Hilfe sucht. Sie weiß, dass sie ihm nicht helfen kann.

Ein Dilemma: Sie hat Angst zu bleiben und solche Szenen immer wieder hautnah mitzuerleben. Sie hat aber auch Angst zu gehen. Womöglich stürzt er dann noch schneller ab. Wenn sie ihn verlässt, wird sie mit dem Gefühl gehen, dass sie ihn im Stich gelassen hat. Wenn sie aber bleibt, lässt sie sich selbst im Stich.
Vielleicht hilft ihr der Gedanke, dass sie diese Entscheidung für sich trifft, nicht gegen ihn. Und vielleicht wird auch er letztendlich wachgerüttelt und beginnt, gute Entscheidungen für sich zu treffen.

Ein erster Schritt?
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Über burgel 217 Artikel
Nach dem Erscheinen meines zweiten Ratgebers „Alkohol – Hilfeschrei“ werde ich immer wieder von Betroffenen, Hilfesuchenden und Gruppen angesprochen auch in anderen Bundesländern Unterstützung anzubieten. Die Kontaktaufnahme zu einzelnen Kliniken ist zwar erfolgreich, gleicht aber ein wenig dem „Suchen im Heuhaufen“. Deshalb suche ich jetzt den Kontakt zu einer zentralen Stelle um mein Angebot gleich in mehreren Kliniken zu präsentieren. Seit achtundzwanzig Jahren trockener Alkoholiker, weiß ich das nur der Hilfe bekommt, der auch Hilfe sucht. Das gilt jedoch nicht nur für Alkoholabhängige selbst, sondern auch deren sozialen Umkreis. Bis zu zehn Millionen Menschen in Deutschland halten sich im näheren Umfeld eines Suchtkranken auf. Diesen sogenannten Co-Abhängigen habe ich nun ein neues Buch gewidmet („Alkohol – Ein Hilfeschrei, Ratgeber und mehr“). In diesem biete ich Betroffenen nähere Beratung, Tipps, Verständnis und Hilfe zu ihrer jeweiligen Situation. Neben der informativen Heranführung an das bisher totgeschwiegene Thema, kommen auch Betroffene zu Wort. Familien, Partner, Kinder, Bekannte und Kollegen bilden die Schwerpunkte. „Du bist nicht allein. Lass Dir helfen.“ Inzwischen stehen die Unterstützung von Angehörigen und die Vermeidung von Rückfällen im Mittelpunkt meiner Arbeit. Anders als bei gewinnorientierten Coaches geht es mir um die Unterstützung auf individueller und persönlicher Basis. „Im Mittelpunkt steht der Mensch – niemals der Profit.“ Diese erweitere Neuauflage der erfolgreichen Ratgeber bietet : • Unterstützung von Angehörigen Suchtkranker, im Umgang mit den Süchtigen, vor allem aber mit dem Umfeld. • Vermeidung von Rückfällen, beginnend in der Phase nach einer Entgiftung bis zur Zeit nach dem Klinikaufenthalt. • Wahl der richtigen Lebensmittel, die Achtsamkeit im täglichen Leben und Vorbereitung auf ein Leben ohne Alkohol (ein Leben lang) • Steigerung des eigenen Selbstbewusstseins und Verbesserung des Selbstvertrauens • Sucht und Sexualität – Ein Tabuthema • Erkennen erster Anzeichen von Sucht oder Suchtgefahr • Kurze Beschreibung „mein eigener Weg“ • Lebensmittelkonzerne zu Alkohol in ihren Produkten Alkohol – Ein Hilfeschrei, Ratgeber und mehr…

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